Das Projekt MEET Change - Motivation von älteren ArbeitnehmerInnen zu Weiterbildung und Veränderung

Hintergrund

Die neuen EU-Mitgliedsstaaten sind noch stärker mit dem demografischen Wandel und einer alternden Belegschaft konfrontiert, die sich aufgrund einer sinkenden Bevölkerungszahl in Folge von niedrigen Geburtenraten und Nettoabwanderung ergibt.

Während der Übergangsphase in den 1990-er Jahren haben viele osteuropäische Staaten eine Politik der Frührente praktiziert, um Entlassungen in den Unternehmen sowie eine Massenarbeitslosigkeit zu vermeiden. Diese Einstellung änderte sich in den darauffolgenden Jahren nur langsam, sodass das Rentenalter in vielen dieser Staaten noch immer sehr niedrig ist. Um den Prozentsatz der arbeitenden Bevölkerung zu erhöhen, wurde in den letzten Jahren das Rentenalter um ca. 2-3 Jahre (auf über 60 Jahre) erhöht. Obwohl die meisten Frührenten-Programme fallen gelassen wurden, hat sich die Denkweise der ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen nicht dementsprechend geändert: eine Karriereplanung für 50-jährige ArbeitnehmerInnen oder für ArbeitnehmerInnen mit einer 25-30-jährigen Arbeitserfahrung erschien nicht notwendig. Gleichzeitig ist die Betriebszugehörigkeit in den neuen Mitgliedstaaten noch immer recht lang, obwohl die Zeiten des „ein Job ein Leben lang“ nun vorbei sind. Es gibt viele wenig qualifizierte ArbeitnehmerInnen, die jahrzehntelang in demselben Unternehmen und oft auch an ein und demselben Arbeitsplatz tätig sind.

Die Hauptzielgruppe dieses Projekts sind ältere ArbeitnehmerInnen, die oft jahrzehntelang am selben Arbeitsplatz gearbeitet haben – ohne jegliche Weiterbildung, Job-Rotation oder andere Lern-Maßnahmen - und die aus einem der folgenden Gründe nicht weiter in ihrem Job bleiben können:

  • der Job existiert aufgrund von Umstrukturierungsmaßnahmen nicht mehr
  • sie können den Job aus Gesundheits- oder Sicherheitsgründen nicht mehr ausüben (Nachtarbeit, Schichtarbeit etc.)
  • der Job wurde zu anstrengend

Bei der Analyse der Gründe, warum so wenig ältere ArbeitnehmerInnen und noch weniger wenig qualifizierte ArbeitnehmerInnen an Weiterbildungsmaßnahmen oder anderen Karriereprogrammen teilnehmen, wird oft behauptet, dass es zu wenig oder nicht die richtigen Weiterbildungsmaßnahmen für diese Zielgruppe gibt.

Das stimmt jedoch nur zum Teil. Viele ältere und vor allem wenig qualifizierte ArbeitnehmerInnen weigern sich, jegliche Veränderung in ihrem Arbeitsumfeld zuzulassen. Es besteht wenig Bereitschaft für Veränderung oder Weiterbildung. Die Gründe dafür sind mannigfaltig: überhaupt keine Erfahrung mit dem Lernen, schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit, Angst vor Versagen.... Diese Personengruppe zu motivieren und sie dabei zu unterstützen, an Weiterbildungsmaßnahmen, Job-Rotationen oder anderen HR Management Programmen teilzunehmen ist eine große Herausforderung für ErwachsenenbildnerInnen, HR ManagerInnen und anderen Personen, die in einen solchen Restrukturierungsprozess auf betrieblicher Ebene eingebunden sind (z.B. ArbeitnehmervertreterInnen, ManagerInnen von Betriebseinheiten etc.).

Wir glauben, dass dieses Problem vor allem für die neuen Mitgliedsstaaten besonders relevant ist, da es dort noch immer große Produktionseinheiten gibt, die wenig qualifizierte ArbeitnehmerInnen am Fließband beschäftigen. Im Westen sind solche Arbeiten in den 1990-er Jahren hinfällig geworden, da die Kosten für ArbeitnehmerInnen zu hoch sind und Unternehmen ihre Produktion in die osteuropäischen Länder oder in den Fernen Osten verlagert haben.